Der Aufruhr um den Junker Ernst

Erzählung
veröffentlicht:
8. September bis 23. September 1926 Vorabdruck als Fortsetzung in der Vossischen Zeitung,
1926 S. Fischer Verlag Berlin mit einer Zeichnung von Rolf von Hoerschelmann


Zusammenfassung

Die Geschichte spielt im heimatlichen Franken im siebzehnten Jahrhundert zur Zeit der Hexenprozesse. Der junge Junker Ernst, der in der Abwesenheit seiner Mutter unter der Obhut seines Onkels, des Bischof Phillipp Adolph von Würzburg, aufwächst, bezaubert die Menschen in seiner Umgebung durch sein Erzählen selbst gedichteter Geschichten. Als sein Onkel dem Zauber des Knaben mehr und mehr verfällt, sieht dieser sich gezwungen, unter dem Druck seines Beichtvaters Pater Gropp, den Knaben für besessen zu halten. Nach einer vergeblichen Exorzierung muss er den Jungen gefangen nehmen und der Gerechtigkeit überlassen. Als dies bekannt wird strömen die fränkischen Kinder und Jugendlichen zu einem Aufruhr zusammen und versuchen den Junker zu befreien.


Entstehungsgeschichte

Geschrieben im Herbst und Winter 1925-26.
Moritz Heimann, sein langjähriger Freund und früherer Mentor, stirbt nach langer Krankheit im September. Wassermann überlegt ihm ein Gedenkbuch zu widmen.
Obwohl weiterhin zermürbt von den Scheidungsverhandlungen mit Julie, nimmt er seine Vorbereitungen für den Fall Marizius wieder auf.
Er unterbricht diese Arbeit um für seinen kleine Sohn die Fabel über den Junker Ernst zu schreiben. Erste Entwürfe gab es schon Ende 1924.

Fakten

Der Gegenspieler der Inquisition ist in der Geschichte der Jesuitenpater Friedrich Spe. Friedrich Spee von Langenfeld wurde am 25. Februar 1591 in Kaiserswerth (bei Düsseldorf) geboren und starb am 7. August 1635 in Trier. In seiner 1631 anonym erschienen Kampfschrift Cautio Criminalis trat er gegen die Hexenprozesse ein. Spee lebt zwar kurz in Würzburg, hatte dort allerdings nicht die Position wie in der Erzählung und somit noch keinen Zugang zu den Gefangenen der Inquisition.
 
Spees Geburtshaus liegt direkt neben dem Haus der Freiheit von Herbert Eulenberg (1876-1949). Die Eulenbergs waren bekannt für ihre Gastfreundschaft. Zur Prominenz, die sich in diesem Haus versammelte, gehörte auch Wassermann.


Text

An einem Aprilnachmittag im dritten Jahr seiner Regierung erhielt der Bischof Philipp Adolph von Würzburg durch einen reitenden Boten die Meldung, daß seine Schwägerin, die Freifrau Theodata von Ehrenberg, am Ostersonntag auf Schloß Ehrenberg eingetroffen sei … weiter